OpenSource Monitoring Konferenz

Für alle, die nicht dabei waren

Mit über 250 Teilnehmenden fand dieses Jahr die 12. OpenSource Monitoring Conference (kurz OSMC) in Nürnberg statt. Nicht jeder hat Zeit, das Budget oder Lust solche Konferenzen zu besuchen. Was ist die OSMC eigentlich und was war für mich persönlich am spannendsten? Dies erfahrt ihr in diesem Blogpost.
Es hat sich gelohnt und ich kann jedem, der im Bereich Monitoring arbeitet oder daran interessiert ist, diese Konferenz wärmstens empfehlen.

Was ist die OSMC

Bei der OSMC dreht sich alles um Monitoring und heutzutage natürlich auch um die Automatisierung des Monitoring Systems. Die Konferenz wird von NETWAYS, der Firma hinter Icinga2, organisiert. Mit 4 Tagen ist die Konferenz grundsätzlich nicht in die Länge gezogen, bietet aber dennoch genügend Platz viele interessante Talks und genügend Pausen für Networking unterzubringen. Die eigentlichen Talks fanden am zweiten und dritten Tag statt. Tag eins war in vier Workshops aufgeteilt und an Tag vier fand ein Hackathon statt, mit Themen, welche spontan bestimmt wurden. Ich habe nur Tag zwei und drei besucht (die Vorträge), kann darum zu den Workshops und dem Hackathon nicht viel sagen.  Mit EUR 899.- für Tag 2 und 3, ohne Unterkunft ist die Konferenz nicht gerade günstig, aber für das gebotene Programm und die professionelle Organisation ein durchaus fairer Preis. Weitere, etwas teurere Pakete, enthalten auch die Unterkunft im Hotel und / oder den Workshop- und Hackathon-Tag. Ich hatte mich aufgrund privater Planung für ein anderes Hotel in fünf Gehminuten Entfernung entschieden.

Location, Organisation und Ablauf

Man hätte sich eigentlich keine bessere Location als das Holiday Inn Nürnberg vorstellen können: viele Konferenzräume, genügend Platz für Small Talk und Networking in den Pausen und natürlich mit ausgezeichneter und reichlicher Verpflegung zum Frühstück, in den Pausen und am Mittag.

NETWAYS hat tolle Arbeit mit der Organisation und Durchführung der Konferenz geleistet. Der Empfang war herzlich und die Damen und Herren von NETWAYS waren bei Fragen immer leicht auffindbar. Der (technische) Smalltalk mit den Entwicklern von Icinga2 kam vielen Besuchern sehr gelegen, verständlich, wenn man schon mal direkt an der Quelle ist.

Die Talks wurden am 2. Tag in drei Tracks aufgeteilt, am 3. Tag in zwei Tracks. Das heisst, man konnte bzw. musste sich jeweils für einen der zwei oder drei parallel stattfindenden Talks entscheiden. Dies war dank des klaren Programms mit Uhrzeit, Titel, Sprecher und Sprache immer recht einfach. Mir ist es in den zwei Tagen nur zwei Mal passiert, dass ich das Gefühl hatte, besser den anderen Talk gewählt zu haben – ein Verbesserungsvorschlag meinerseits wäre hier, eine Art „Skill-Level“ im Programm zu vermerken. Zum Glück werden aber alle Talks professionell in hoher Qualität aufgezeichnet und später veröffentlicht – das Aufzeichnen als Video finde ich persönlich sehr viel sinnvoller als Slides zu teilen, da diese alleine meistens kaum den Inhalt eines Talks wiedergeben können.

Am Abend des zweiten Tages konnte man beim Socialevent im Club nachtkind, ca. 10 Minuten zu Fuss vom Holiday Inn, bei reichlich Bier, Wein, Drinks und super Essen auch mal etwas weniger ernsthaft und technisch diskutieren und feiern – eine gelungene Abwechslung zwischen den Konferenztagen. Für die Teilnehmer des Hackathon gab es auch am 3. Tag einen ähnlichen Abendanlass.

Es gibt nicht nur Icinga

Auch wenn NETWAYS die Konferenz organisiert, drehte sich absolut nicht alles nur um Icinga2 und auch nicht nur um Produkte und deren Implementation. So wurde z. B. in den Talks von Markus Thiel und Marianne Spiller vor allem die Erfahrungen, Theorie, best-practices und Konzepte zum „perfekten Monitoring“ aufgezeigt – sehr hilfreich, um auch einmal die eigene Monitoring Landschaft mit etwas Abstand zu hinterfragen.

In mehreren Talks wurde auch gezeigt, was Sensu so alles kann und warum das Konzept von Sensu durchaus Sinn macht in verteilten und hoch dynamischen Setups (Auto-Scaling, Docker, etc.). Sehr spannend bei Sensu ist, dass man z. B. mit Puppet oder Ansible die ganze Check-Konfiguration auf dem Agenten macht und nicht auf Sachen wie Exported-Resources (Puppet) angewiesen ist. Mir persönlich fehlt bei Sensu jedoch immer noch etwas die „Gesamtlösung“ (UI mit Mandantenfähigkeit / Rollen, Downtimes, Graphen direkt beim Service, usw.). Die Community, die alternativen WebUIs und Tools rund um Sensu scheinen aber zuzunehmen und das Potenzial von Sensu ist gross, gerade da es auf RabbitMQ für den Datenaustausch und als Message-Bus aufbaut und das Konzept dadurch sehr einfach erscheint.

Einer der besten Vorträge war für mich der von James Shubin mit „Next Generation Config Mgmt“ über mgmtconfig. James hat, neben seiner Aufgabe das Publikum zum ersten Vortag wachzuritteln (mit einer kleinen Feuer-Show und Musik), gezeigt, dass ein modernes Konfiguration-Management (in golang und auf Basis von etcd) auch eine Art Monitoring sein kann und direkt auf Events reagiert, statt nur periodisch und in langsamen Durchläufen Änderungen forciert. Dank einer gewissen Kompatibilität zu Puppet und der wachsenden Community ist dies sicherlich ein Projekt, welches wir bei VSHN im Auge behalten werden.

Natürlich gab es auch Vorträge zu Prometheus z. B. wie man zusammen mit Grafana, MySQL besser montioren kann von Julien Pivotto.

Trotzdem kommt man als Icinga Fan nicht zu kurz

Der Vortrag „Current State of Icinga“ war (wie auch schon am Icinga Camp und am Icinga Meetup Zurich) sehr informativ. Mir gefällt die Richtung der Icinga2 Entwicklung sehr, denn man erfindet nicht das Rad neu, stattdessen wird viel investiert um mit Icinga2 im Zusammenspiel mit Elasticsearch, Kibana, Logstash, InfluxDB, Grafana, Graphite, usw. integrierte Lösungen zu ermöglichen.

Auch in Icinga2 selbst und Icingaweb2 tut sich viel:

  • Die neue IcingaDB wird zwar erst konzipiert (die Umsetzung ist für nächstes Jahr geplant), trotzdem eine sehr wünschenswerte Entwicklung, ist das aktuelle IDO-DB Schema doch sehr veraltet und kämpft mit Performance Problemen.
  • Mit Icinga2 Release 2.8 wurde der CA-Proxy eingeführt, ein echt wichtiges Feature, mit dem Agents nun auch über einen Satelliten Zertifikate anfragen (CSR) können – bis anhin ging das nur direkt über den CA Host (meistens Master-Zone), was in verteilten Setups mit abgelegenen Netzwerk-Segmenten immer schwierig ist.
  • Icingaweb2 2.5 bring ein optisch überarbeitetes GUI.

Der Director  (Modul für Icingaweb2) wird langsam aber sicher zum Mittelpunkt der automatischen  Konfiguration von Icinga2. Mit Import-Modulen für die PuppetDB, LDAP / MS AD, CSV, SQL, VMWare und vielen mehr lässt sich die Konfiguration von Icinga2 Hosts, Services, etc. auch ohne Konfigurations-Management (Puppet, Ansible, u.Ä.) automatisieren und die Konfiguration dieser Imports und Syncs wird immer übersichtlicher und einfacher.

Mehrere Vorträge drehten sich um die automatische Konfiguration von Icinga2 (Puppet / Ansible) oder um Projekte mit Icinga, dessen Integration und damit gemacht Erfahrungen.

Fazit

Es ist mir natürlich nicht möglich, die 28 Vorträge im Rahmen dieses Blogposts zusammen zufassen, darum empfehle ich allen sich mit #monitoringlove dringend sich die Talks später online anzusehen und natürlich die nächste OSMC zu besuchen – dann aber bitte auch (Wissens-)Hunger mitbringen.