Icinga Camp Berlin 2017 – VSHN war dabei!

Am 07. März 2017 fand das jährliche Icinga Camp in Berlin statt. Marco Fretz war dabei und berichtet.

Mit der Kalkscheune als Event Location in Berlin Mitte haben die Organisatoren eine gute Wahl getroffen. Die Kombination aus zeitgemässer technischer Ausstattung und dem historischen Charme einer alten Fabrikstätte war die ideale Kulisse für das Icinga Camp. Das leckere Chilli con carne Mittagsbuffet trug ebenfalls zur guten Stimmung der Teilnehmer bei. Dank der Aktion „Eine Flasche Gin geschenkt, wer das letzte Ticket kauft“ war die Konferenz dann auch ausverkauft. Trotzdem hatten alle Teilnehmer angenehm Platz in der Galerie der Kalkscheune.

Ein Hauptargument für das Icinga Camp ist für mich, dass ein Grossteil des Core Entwicklerteams und der Community Manager anwesend sind. Man kann persönlich über Ideen und technische Fragen diskutieren – wofür sich das Icinga Team auch offiziell anbot und sich mit Icinga2 Bekleidung zu erkennen gab.

Stand der Dinge

Bernd Erk (CEO von Netways) eröffnete die Konferenz mit einem Überblick und Status Update des Icinga Projekts. Eine erstaunliche Aussage war hier, dass die Icinga Community eigentlich nur sehr begrenzt weiss, wer Icinga überhaupt und für welche Zwecke einsetzt. Obwohl es für das Einsenden von Referenzen ein Online Formular gibt, scheint dies wenig genutzt. Deshalb ist unsere Bitte als grosse Icinga Fans: Bitte meldet euer Projekt / Firma als Referenz, die Icinga Community wird sich sehr darüber freuen.

Natürlich waren vor allem die technischen News spannend und teils auch überraschend. Noch vor einigen Wochen habe ich mich wieder einmal über das doch recht altmodische DB Schema vom Icinga2 IDO Backend gewundert und jetzt die Info „Wir sind dabei das Datastore Backend von Icinga2 zu ersetzen“. Obwohl noch keine genauen technischen Infos bekannt geben wurden, geht es hauptsächlich Richtung Skalierbarkeit, Performance und Vereinfachung.

Eine weitere erfreuliche Neuigkeit war, dass das komplett neu geschriebene Puppet Modul für Icinga2 nun einen für den produktiven Einsatz tauglichen Stand erreicht hat. Auch sind Play- und Cookbooks für Ansible und Chef verfügbar. Natürlich alles auf Github mit dem Ziel, die Community an der Weiterentwicklung mit einzubeziehen.

Im Bereich der Anbindung an andere Systeme gab Michael Friedrich von Netways (aka @dnsmichi) in einem eigenen Talk einen Überblick über die Integration und Anbindung von Icinga an andere Systeme. Besonders ins Auge fiel hier die Anbindung an Elasticsearch via Icingabeat. Nach der bereits länger verfügbaren Unterstützung für Graylog via GELF sicher eine willkommene Variante für alle, die bereits Elasticsearch und Kibana einsetzen. Michael erwähnte hier mehrmals, dass das Feedback auf Github oder per Mail, sowie Anwendungsbeispiele hier sehr willkommen sind. Sehr interessant ist die Kombination von InfluxDB und Grafana für Performance Daten, wie wir es bei VSHN nun schon länger einsetzen. Für die Einbindung von Grafana in Icinga Web stehen aktuell zwei Module zur Verfügung, eines davon aus der Schmiede von VSHN.

Wie überwacht man richtig?

Einer der kurzweiligsten Talks war definitiv „How to write checks that don’t suck“ von Mattis Haase. Anhand eines Publikum-Experiments hat Mattis hier erfolgreich gezeigt, wie ein überlegt umgesetzter Check das Leben eines SysOps oder vor allem OnCall Engineers um 3 Uhr morgens erleichtern kann. Die Kernaussagen waren dabei:

  • Keine nutzlosen Informationen anzeigen, Sachen die funktionieren interessieren nicht – ich will wissen, was NICHT funktioniert und warum ich geweckt wurde.
  • Menschenlesbare Sprache im Text des Checks verwenden, das Monitoring System soll dem Operator Arbeit abnehmen, d. h. somit für ihn arbeiten und nur nützliche Infos liefern.

Mit „Know your Hardware“ startet Werner Fischer von Thomas Krenn seinen Talk. Teilnehmer, die mit der Hardware Überwachung von Servern zu tun haben, konnten viele nützliche Tipps mitnehmen. Ausserdem stellt Thomas Krenn tolle fertige Check Plugins für IPMI und weitere Arten der Hardware Überwachung via Icinga zur Verfügung.

Frontends, Icinga Web 2 und Director

Eric Lippmann, CTO von Icinga, und Thomas Gelf (Lead Architect) haben in ihren zwei Talks aufgezeigt, wie mächtig Icinga Web 2 eigentlich ist. Jeder mit minimalen PHP und HTML Kenntnissen hat die Möglichkeit, Module für Icinga Web und das Icinga CLI zu schreiben. Das Beispiel Modul in der Präsentation konnte hier mit wenigen Code Zeilen bereits verschiedene Geschmacksrichtungen von Gin auflisten (smile).

In der aktuellen Version des Icinga Directors stehen neue, für den professionellen Einsatz taugliche Möglichkeiten im Bereich des Config Managements für Icinga zur Verfügung: Von der kompletten manuellen Administration via WebGUI von Host, Services und Templates bis hin zur automatischen Generierung der Konfiguration aus einer CMDB oder z. B. der PuppetDB bietet der Icinga Director nun fast alles, was das Automatisierungs-Herz begehrt. Die Berechtigungs-Verwaltung für die Mandantenfähigkeit des Directors sei aktuell in Arbeit.

Sven Nierlein stellte uns mit Thruk eine Alternative zu Icinga Web genauer vor. Viele Features und grosse Möglichkeiten im Bereich Reporting verdrängen dabei den Eindruck, dass das Frontend zumindest noch ein bisschen nach Nagios aussieht. Auf jeden Fall eine echte Alternative, vor allem wenn man noch Nagios, Icinga1, Shinken oder andere Systeme, die auf Nagios basieren anbinden will.

Die etwas anderen Checks

Mit Alyvix stellte Francesco Melchiori von Würth Phoenix ein End User Experience Monitoring auf Basis von grafischen Checks vor. Alyvix kann neben grafischen Bereichen und OCR regex Matching im Bild einer Applikation sogar Citrix „Video Streams“ anhand von Veränderungen in der Frame-Rate erkennen. Die Integration (aktuell leider nur unter Windows) ist mit NSClient++ und einer Kombination aus aktiven und passiven Checks gelöst.

Im „Monitoring the Monitoring of (Siemens) Trains“ zeigte uns Eduard Gueldner, wie man mittels der mächtigen Icinga DSL in reinen Dummy-Checks Daten auswertet und dabei auch mit tausenden von Checks praktisch keine Rechen-Ressourcen verschwendet – dies vor allem dann, wenn man keinen Einfluss darauf hat, wie man die Daten bekommt oder keine eigenen Check Scrips auf Fremdsysteme ständig anpassen möchte.

Fazit

Alles in allem ein angenehmer und interessanter Ausflug nach Berlin, von dem ich viele neue Ideen für Verbesserungen und zukünftige Projekte mitnehmen konnte. Wir sind nächstes Jahr sicher wieder dabei. Ebenfalls planen wir als VSHN in absehbarer Zeit ein Icinga Meetup in Zürich abzuhalten, Infos folgen.

Übrigens: Ja, ein Teilnehmer erhielt während des Eröffnungs-Talks wirklich eine Flasche Gin. Es scheint, als gehöre Gin einfach zur Icinga Community.

Links

https://twitter.com/search?q=%23IcingaCamp
Die Slides und Videos sollten bald im Icinga Blog veröffentlicht werden: https://www.icinga.com/blog/