DINAcon 2017 in Bern

Am 20.10.2017 fand in Bern in der Welle 7 die erste DINAcon statt – eine Konferenz zum Thema Digitale Nachhaltigkeit mit Schwerpunkt auf die Verhältnisse in der Schweiz. Unter digitaler Nachhaltigkeit verstehen die Teilnehmer die Speicherung von Daten in einem Format, welches auch in mehreren Jahren noch zugänglich ist, vor allem mit Hilfe von offenen Formaten und Open Source.

Die Eröffnungsrede hielt Alec von Graffenried, Stadtpräsident von Bern. Er brachte als Beispiel die von Hand geschriebenen Liebesbriefe von früher, welche heute noch lesbar sind, während Dateien von vor 20 Jahren bereits heute nicht mehr zugänglich sind. Als nächste Rednerin präsentierte Bibi Bleekemolen, Co-Gründerin von Fairphone, die Herausforderungen bei der Herstellung eines „fairen“ Mobiltelefons. Die ganze Lieferkette soll dabei nachhaltig sein, was bei so vielen Zulieferanten ein grosses Problem sei. Auch die Pflege der Software über eine lange Zeit sei nicht einfach und nur dank Open Source überhaupt möglich.

Balthasar Glättli, Nationalrat und Kernteam Parldigi, berichtete über die Herausforderungen in der Politik im Internetzeitalter und die Massnahmen der Gruppe Parldigi. Die Schwerpunkte dieser parlamentarischen Gruppe sind Open Source Software, Open Standards, Open Government Data, Open Access, Open Content und Open Internet. Alles sehr wichtige Themen, welche entsprechende Diskussionen benötigen.

In einer Diskussionsrunde mit Clara Vuillemin, Head IT des Magazins „Republik“, Franz Grüter, Nationalrat und Co-Präsident Parldigi, Katharina Nocun, Netzaktivistin, Sylvie Reinhard, Unternehmerin und Balthasar Glättli, Nationalrat und Kernteam Parldigi wurde intensiv übers Thema „Datenkraken“ (grosse Unternehmen, welche Daten sammeln und damit Handeln) und über deren Umgang diskutiert und philosophiert. Aus dem Publikum kam ein Votum, dass viel zu wenig übers Thema „My Data“ gesprochen werde – nämlich dem Bewusstsein jedes Einzelnen, was mit seinen Daten passiert.

Anschliessend an die Diskussionsrunde standen 11 Breakout Sessions zur Auswahl. Ich habe mich dabei den Themen „Open Internet“ / „Open Access“ angenommen und den Ausführungen zu „The Things Network: building an open and free Internet of Things network“ mit Gonzalo Casas und Peter Affolter zugehört. Ein spannendes Thema zur Vernetzung der Zukunft und deren Sensoren, Aktoren und „smart“ Devices über die LoRaWAN Funktechnologie. Privat interessiert mich dieses Thema sehr und ich steuere auch einen LoRaWAN Gateway dem „The Things Network“ Projekt bei.

Nach der Mittagspause wurden in Lightning Talks einige spannende Projekte vorgestellt, unter anderen erklärte Simon Poole, was die Schwierigkeiten bei der Pflege von OpenStreetMap sind und wie diese angegangen werden.

Von den 9 Breakout Sessions am Nachmittag habe ich mir die Session zum Thema „Zu welchem Unfug sind die Überwachungsgesetze BÜPF und NDG geeignet und wie kann man sich technisch dagegen wappnen?“ ausgewählt. Zwei Mitglieder des CCC (Chaos Computer Club) haben über Überwachung philosophiert. Getreu dem Motto „Chaos“ war auch die Präsentation eher chaotisch, aber trotzdem spannend.

Als krönenden Abschluss des Tages wurden die DINAcon Awards verliehen. Aus den 26 Nominationen wurden in 5 Kategorien folgende Preise vergeben:

 

Die Welle7 ist eine sehr schöne Event Location. Auf verschiedenen „Decks“ (Stockwerken) werden die unterschiedlichsten Bedürfnisse abgedeckt: Über Essen und Trinken, Migros Klubschule, Co-Working bis zur Event Location ist alles vorhanden. Das Gebäude ist sehr modern und jedes Deck auf eine andere Weise eingerichtet. Man fühlt sich sofort wohl.

Am Abend und in der Nacht fand eine Hacknight statt, an welcher ich jedoch nicht teilgenommen haben.

Alles in allem eine gelungene erste Ausgabe der DINAcon, ich freue mich auf die Ausgabe 2018.